Heiliges Land – nur noch Hass und Gewalt?

Material zum unterrichtlichen Umgang mit dem Nahostkonflikt

Was soll man da sagen? Schülerinnen und Schüler fragen nach den schrecklichen Bildern und Schlagzeilen, mit denen die Medien sie ‚bombardieren‘: Terror der Hamas, Israels Reaktionen – Recht auf Verteidigung, Rache … Wo bleiben bei all dem die Menschenrechte und die Würde des Menschen? Und Hoffnungen auf Frieden – und waren wir nicht schon mal weiter? 

Schülerinnen und Schüler sorgen sich, sind entsetzt und fragen. Was lässt sich sagen? Wenig, selbst von Nahostexpert:innen – sehr wenig. Was man machen kann, ist lesen. Gegen den Krieg, für ein Grundverständnis des uralten Konflikts, für Visionen, die zum Träumen bringen und zum Hoffen. Ohne Hoffnung bleibt nur Panik und Panik ist der schlechteste Ratgeber. 

Für die Sekundarstufen

… empfehlen wir Annäherungen an die Perspektiven der Konfliktparteien. Abgesehen davon, dass Terror absolut gar nicht geht und Antisemitismus auch nicht: Was liegt hinter dem Tagesaktuellen? Was schwelt denn da seit Generationen? Seit Gründung des Staates Israel bis heute? Zwei Texte aus der Zeit VOR dem 08.10.23 können wir empfehlen:

a) den Beitrag des ehemaligen Leiters des ARPM Prof. Hans-Georg Babke ('braunschweiger beiträge' 138-1/2013). Von vielen Besuchen kennt er das heilige Land, seine Wunder und seine Wunden, und vielfach hat er Gruppen von Religionslehrkräften dorthin begleitet, um ihnen persönliche Eindrücke zu ermöglichen. Als er den Beitrag schrieb, war die Lage vergleichsweise „normal“ (normal angespannt, normal schwierig usw.): vielleicht ein guter Zeitpunkt, Grundsätzliches zu Papier zu bringen. Der Text kann ab Klasse 10 als Unterrichtsmaterial verwendet werden, als Dokument zur Identifikation von Informationen und Zusammenhängen sowie als Gesprächsanlass. Aktuelle Meldungen werden im Netz recherchiert und umgeben die grundsätzlichen Informationen zum aktuellen Gesamtbild. Zukunft offen …? 

b) einen Jugendroman (Ersterscheinung 2018) mit dazu passendem Unterrichtsmaterial. Friedhelm Kraft, ehemaliger Leiter des RPI Loccum und zuletzt Leiter der Bildungsabteilung der Ev. Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz, inspirierten die Erfahrungen, die er mit dem Projekt „Talitha Kumi“ in Beit Jala (nahe Bethlehem) machen durfte – Schüler:innen aus Israel und Palästina lernen und leben gemeinsam in einem evangelischen Schulzentrum –, eine Liebesgeschichte vor realem Hintergrund zu schreiben: Mädchen aus Deutschland zwischen einem jungen Israeli und einem  Palästinenser. Während ihres Freiwilligen Ökumenischen Jahres beginnt sie zu verstehen, dass in einem Land zweier Völker zwischenmenschliche Beziehungen immer auch eine politisch-ideologische Dimension haben. Sich zu entscheiden wird unglaublich schwer ... – Mareikes Geschichte steht exemplarisch für die Situation in Israel und Palästina, und sie wirft Fragen auf, motiviert zur Recherche aus mehr als ‚nur‘ tagespolitischem Interesse. – Das passgenau erarbeitete Unterrichtsmaterial hilft bei der Strukturierung und inhaltlichen Füllung der Schüler:innen-Forschung.

Das Kombi-Paket aus „Roman“ und „Unterrichtsmaterial“ ist im ARPM vorhanden und kann ausgeliehen werden.

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Für die Klassen 1 bis 6 

... kreuzt sich das aktuelle Thema mit Lernbedarfen im Hinblick auf interreligiöses Lernen. Was sind Juden, Muslime, Christen? Und was glaubst du? Muss eine:r Recht haben? Kann jede:r glauben, was er:sie will? – Aus dem breiten Angebot gängiger Titel und Materialien zu den drei abrahamitischen Religionen seien hier zwei herausgegriffen, die diese Thematik mit dezidiertem Bezug zum heiligen Land entfalten. 

a) die vierteilige Fernsehserie  "Schnitzeljagd im Heiligen Land“ ©KiKa 2017, die nach wie vor gesendet wird; Videos sind im Netz verfügbar und bei den Medienzentralen entleihbar. Außerdem gibt es eine DVD bei Matthias-Film, die mit Unterrichts- und Arbeitsmaterialien angereichert, die Filme begleitet, kommentiert und vertieft. 

b) das Bilderbuch „Wem gehört der Schnee?“ von Antonie Schneider und Pei-Yu Chang (Nord Süd Verlag, Zürich 2019). Es nimmt Lessings Ringparabel zum Vorbild und entwickelt daraus eine eigenständige und sehr originelle Erzählung für Kinder. 
Es hat geschneit in Jerusalem und drei Kinder, Rafi, Mira und Samir, wollen spielen. Aber woher kommt der Schnee und wer hat ihn gemacht? Mein Gott – dein Gott? Priester, Imam und Rabbi werden gefragt, während der Schnee bereits schmilzt. 

„Der Schnee hat ein Geheimnis“, sagt der Rabbi. Der Imam sagt: „Ein Geheimnis wie Gott! Er ist da, er lässt sich nicht festhalten.“ „Wenn man versucht, das Geheimnis zu beweisen, verliert man es“, sagt der Priester. Die Kinder sind traurig. Mit leeren Händen kehren sie in die Gasse zurück. Auf den Steinen fließen nur noch Rinnsale. „Wo ist der Schnee hin?“, fragt Mira. 

Der Reiz des Buches liegt darin, dass man es auf verschiedenen Ebenen lesen kann: zuerst als das Spiel dreier Kinder, naiv, witzig, auch nachdenklich; sodann mit Rückfragen: Was ist ein Rabbi, ein Iman, was unterscheidet sie? Und schließlich psychologisch, theologisch, philosophisch: Wieso kommt es zum Streit über Religion? Wie kann man ihn schlichten? Wo ist Gott? Wer ist Gott? Und was sagt er zu den Streitereien der Menschen? – Der Verlag empfiehlt das Buch „ab drei“; im Unterricht hat es Potenzial für die Grundschule und darüber hinaus. 
Zwei Exemplare sind im ARPM, Raum der Wünsche, vorhanden (demnächst auch Kamishibai-Bilder), eines zur Zeit kann ausgeliehen werden. Das andere verbleibt als Anschauungsmaterial. 

Downloads:

Im Raum der Wünsche beziehungsweise im Büro der Studienleiterin sind auch noch weitere Bücher zu Themen wie „Krieg und Frieden“, „interreligiöses Lernen“, „Vorurteile“, „Grenzen und Mauern“ vorhanden und können besprochen und ggfs. ausgeliehen werden.
Ansprechpartnerinnen: Martina Steinkühler, Studienleiterin, und Hanë Bytyqi, Bibliothekarin.
 

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Heiliges Land – nur noch Hass und Gewalt?
Grenz Gebiete, Friedhelm Kraft
Wem gehört der Schnee? Antonie Schneider